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16.01.2010, Reeperbahn, 0:30 Uhr - auch die letzten der Wartenden, zuvor als Schlange mit beeindruckender Länge die eisglatte Reeperbahn bevölkernd, ruckeln langsam treppab; hinein in die gute Hamburger Konzertstube Molotow.
Es ist Samstagnacht auf dem Kiez,
man darf gespannt sein auf die Hamburg- Konzertpremiere der "Band of Skulls" im Motorbooty-live!- Programm.
Und wer hätte das gedacht: schon bei den ersten Klängen des saftig-zerrigen Röhrensounds des Londoner/
Southhamptoner Trios wird der rappelvolle Club mitsamt seinem Inhalt auf Hochtouren gebracht. Die Instrumentalklänge gehen wohlig-wuchtig durchs Mark und direkt in die Beine, die ausdrucksstarke Stimme des Leadsängers Russel Marsden berührt mit bittersüß melancholischer Simplizität und Emma Richardson als Dame am E-Bass bezaubert mit ihrem anspruchsvollen Mix aus Ausstrahlung und sowohl fragil anmutender als auch durchsetzungsfähiger Stimme -eine Kombination, die den wildesten Pogotänzer zuweilen Pogo und Tanz vergessen lassen und zu andächtigem Zuhören und -schauen hinreißt.
Dass die Songs in Zusammenarbeit aller dreier Köpfe der "Band of Skulls" entstehen, merkt man den Musizierenden an; intensiv und nah die Songstrukturen, intensiv und nah auch die Interaktion der englischen Formation, die seit 2008 besteht.
Nach dem offensiven Start geht es mit ihrem Stück "Faces" melodiös weiter:
'selbst-Mitanstimmen', 'im-zweistimmigen-Gesang-der-Stimmen-Schwelgen' und 'Augen-zu-Arme-hoch' wird vom Publikum auch ohne vorherige Aufforderung der Band bereitwillig ausgeführt.
..bereitwillig - aber nicht ewig.

Denn nach dieser Mitsinghymne lassen die drei Collegekollegen es mit gutem Drive, ansprechenden Textzeilen und kraftvollen Rockgitarren weiter krachen.
Ihr Titel "Friends", auf dem Soundtrack des Kinohits "New Moon" vertreten,lädt wieder zum Mitrocken ein. Sound ist prima, Schlagzeuger Matthew Hayward spielt laut, doch auf den Punkt und wiederholt ist der zurückhaltende Charme einzelner Bandmitglieder unschlagbar - was der angenehmen Atmosphäre im Club nur zu gute kommt.
Und mit dem rohen Duett "I know what I am", dem Song, der als I Tunes' "Free Single Of The Week" den Musikern 400.000 Downloads bescherte, schüttelt auch nicht nur Richardson ihr dunkles Haar im Takt.
Die Anrede "Baby Darling Dollface Honey",zugleich die erste Textzeile von "Faces", lautet der zuckersüße Albumtitel des im Oktober 2009 erschienenen Debüts der "Band of Skulls" (Deutschland-VÖ am 22.01. - Prädikat 'erstehenswert'! ).
Das malerische Artwork der Scheibe besteht aus Bildern, die allesamt aus der Hand der Bassistin stammen.Inspiriert von ihrem Job in einem Schlachthaus - mit dieser Info also einladend für Interpretationen aller Art. Na, jedem das seine.
Live jedenfalls haben die Engländer den gesamten Laden mit ihrem einfachen Konzertrezept im Griff: null Bilder oder gar Disco-Laser-Pyroshow, wenig Ansagen;doch dafür doppelt dreckige Soli und eine Instrumentalenergie, die Alternative-Herzen höher schlagen lässt.
"Band of Skulls" verlassen sich auf Elementares - und lassen ihre Musik für sich sprechen.
Diese spricht auch mehr als deutlich.
-Bitte mehr davon!
Und binnen einer knappen doch erfüllten Stunde feinstem Indierock plus Zugabeist an diesem Moonbooty-Abend nun auch der allerletzte Eisfußzum Tanzbein geworden. Die blonden Strähnen beiseite und Marsden schickt zum Abschied einen anerkennenden Blick in die Hamburger Publikumsmasse:den geben wir ihm doch gerne zurück.
Hundertpro.
A.S.M.